Neuigkeiten

Neue Retter-Generation im Einsatz

Eberswalde (MOZ vom 20.03.2018)
Gerade feierte die Rettungsdienst Barnim GmbH ihr 15-jähriges Bestehen. Seit genau 15 Jahren ist auch Thomas Irrgang dabei. Der Finowfurter ist einer der ersten im Unternehmen, der die Ausbildung zum Notfallsanitäter absolviert und abgeschlossen hat.
Seit 15 Jahren als Retter unterwegs: Thomas Irrgang. Er kümmert sich auch um den Berufsnachwuchs. © Foto: Viola Petersson

Fast 25 Jahre hatten die Retter bundesweit um die Anerkennung ihres Berufes bzw. die Einführung eines Ausbildungsberufes gekämpft. Zum 1. Januar 2014 schließlich trat das entsprechende Gesetz in Kraft, erklärt Anita Stahnke, Geschäftsführerin der Rettungsdienst Barnim GmbH. An die Stelle des Rettungsassistenten trat damit der Notfallsanitäter. Eine dreijährige Ausbildung löste die vormals zweijährige ab. Wobei der Gesetzgeber den Rettungsdiensten Übergangsfristen eingeräumt hat, so Stahnke. Und zwar bis 2020. Ab 2021 müssen dann auf jedem Rettungstransportwagen (RTW) ein Notfallsanitäter sowie ein Rettungssanitäter fahren.

Diese personelle Ausstattung sei bindend. Für den Barnimer Rettungsdienst bedeutet dies: „Wir müssen 2020 etwa 75 Notfallsanitäter an Bord haben.“ Die kreiseigene Gesellschaft beschäftigt insgesamt 145 Retter, die in zehn Wachen zwischen Seefeld und Parstein Dienst tun sowie von den Stützpunkten aus zu Einsätzen ausrücken. Daraus ergebe sich der Bedarf. Wobei Rettungsassistenten, die bereits über mehrjährige praktische Erfahrung verfügen, nicht eine komplette dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter absolvieren müssten. Für sie reiche eine „Ergänzungsausbildung“. In der Dauer gestaffelt nach konkreter Berufserfahrung.

Thomas Irrgang, seit 2003 im Unternehmen, musste „nur“ noch einen 80-Stunden-Kursus belegen. „Ich habe als Rettungssanitäter damals hier angefangen, mich später zum Rettungs-assistenten qualifiziert“, so der 48-jährige Finowfurter, der in den Wachen Bernau und Basdorf eingesetzt ist. Er gehörte nach Inkrafttreten des Gesetzes 2014 zu den ersten Barnimer Rettern, die den Zusatzlehrgang belegten. Ende 2014 durfte sich Irrgang bereits Notfallsanitäter nennen.

Um den gesetzlichen Anforderung bis 2020/21 zu genügen, schicke das Unternehmen jährlich zwölf Assistenten zur Akademie der Gesundheit nach Bad Saarow, wo Ausbildung und Qualifizierung für Rettungskräfte stattfinden. „Mit heutigem Stand haben wir 39 Notfallsanitäter im Unternehmen. Bis zum Jahresende werden wir auf 50 kommen“, so Stahnke. Im Herbst werde auch die erste Jugendliche fertig, die eine dreijährige Ausbildung absolviert hat. „Insgesamt haben wir derzeit sieben Azubis“, erklärt die Geschäftsführerin. Um den Nachwuchs kümmere sich Thomas Irrgang, der gleichzeitig Ausbilder bzw. Praxisanleiter im Unternehmen ist.

Und wie profitieren die Patienten von dem höheren Ausbildungsstandard? „Als Notfallsanitäter haben wir erweiterte Kompetenzen“, erläutert Thomas Irrgang. „Wir dürfen beispielsweise bereits vor dem Eintreffen des Notarztes Medikamente geben und Therapien einleiten.“ Hat ein Patient etwa einen Herzinfarkt erlitten, können die Notfallsanitäter schon ASS und Heparien verabreichen, bei Herzrhythmusstörungen mit der Elektrotherapie beginnen oder im Rahmen der akuten Schmerzbekämpfung Ketanest geben. „So können wir die Zeit sinnvoll nutzen.“ Für die Patienten sei dies ein echter Gewinn. Mit dem neuen Gesetz habe sich der rechtliche Status der Retter einfach verändert, verbessert. Die erforderliche Technik und Ausstattung dafür sei im Barnim schon vorher auf den Fahrzeugen gewesen, versichert die Geschäftsführerin.

Für Thomas Irrgang liegt der Reiz des Berufes im Patientenfeedback, im Gefühl, „wirklich helfen zu können“. Und, was paradox klingt: Trotz der gebotenen Eile im Notfall, „in der Rettung hast du noch Zeit für das Gespräch mit dem Patienten“, anders als vielleicht in der Pflege.

Von Viola Petersson, MOZ Online vom 20.03.2018